Eine lohnenswerte Reise.....
Sachliche Berichte und Listen der neu entstandenen Projekte und Mailinglisten wird es sicherlich genügend geben. Ich möchte an dieser Stelle lieber meine ganz persönlichen und privaten Eindrücke schildern, die mir das Waldschlösschen-Wochenende unvergesslich gemacht haben.
Am Donnerstag den 08.02.2001 fuhr ich nach Hamburg, um dort meine Maus und am Freitag unsere Niederlassung im Norden zu besuchen. Dieser Termin verlief unerwartet schnell und glatt, so dass ich sogar noch Zeit für einen Besuch bei Puls in der Davidstrasse hatte, bevor die Touribusse auf der Reeperbahn eintrafen. Mit einem neuen Spielzeug in der Tasche machte ich mich schon am frühen Nachmittag (leider ohne meine Maus) auf den Weg nach Göttingen, noch ehe der Hamburger Berufsverkehr die Autobahnen verstopfen würde.
Pünktlich um 17:00 trudelte ich im Waldschlösschen ein. Dort wurde ich begrüßt vom strahlenden Barden und der unnachahmlichen Dyke. Natürlich war alles perfekt organisiert. Anmeldeliste, Namensschild und Zimmernummer nahmen nur wenige Augenblicke in Anspruch. Dyke hatte bereits die Teilnahmelisten der Workshops ausgedruckt, und auch der Essensplan hing schon im Speisesaal, komplett mit der Liste der Vegetarier. Als ausgewiesener Orientierungslegastheniker benötigte selbst ich nur wenige Minuten, um mein Zimmer zu finden und eines der Betten zu beziehen.
Im großen Saal standen bereits, wie im übrigen während der gesamten Veranstaltung, Kaffee und Tees in reichlicher Auswahl bereit. Nach und nach trudelten die Teilnehmer(innen) ein, von denen ich einige gar nicht kannte, und andere seit Monaten oder sogar Jahren nicht mehr gesehen hatte. Entsprechend groß war natürlich die gelegentlich aufkommende Wiedersehensfreude. Überhaupt las sich die Teilnehmerliste wie ein Who is who der deutschsprachigen SM-Szene, denn auch aus der Schweiz, Österreich und aus den Niederlanden waren Teilnehmer(innen) angereist.
Schnell waren wir untereinander wieder auf den neuesten Stand gebracht, und die erste der vielen köstlichen Mahlzeiten verputzt. Die Vorstellungsrunde, die eigentlich nur ein kurzes Stündchen dauern sollte, erwies sich als Marathonsitzung bei der es uns allen schwer fiel, auch den letzten Vertreter oder die letzte Mitarbeiterin einer Gruppe ausreden zu lassen. Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene SM-Gruppen und Interessengemeinschaften es mittlerweile gibt. Die meisten der Teilnehmer hätten im übrigen für mindestens zwei oder drei Gruppen sprechen können.
Anschliessend gabs für die ganz Harten noch einen workshop zum Thema Vereine und Steuerrecht, geleitet vom unermüdlichen Onkel Dagobert, der auch die Vorstellung von SMart in der großen Runde souverän gemeistert hatte. Um 00:30 saßen wir geschafft aber glücklich wieder im Speisesaal, und ließen uns ein Glas Wein oder eine Cola schmecken.
Am nächsten Morgen fand sich eine für SMer-Verhältnisse geradezu erstaunlich vollständige Mannschaft pünktlich zum Frühstück ein, und alsbald ging es für viele wieder an die Arbeit in einem der zahlreichen Workshops. Ein blau gekleideter Sportler wurde mit einigem Hallo auf seinen langen Lauf komplimentiert, und zwei frisch gebackene Häuslebauer nutzten den Einkaufstrip für einen ausgedehnten Ausflug in einen nahe gelegenen Baumarkt. Die letzten der Teilnehmer trudelten ein, und das Fetenkomittee für den Abend wurde bestimmt.
Viele workshops und zwei erstklassige Mahlzeiten später erschienen die braven "Arbeiter(innen)" in standesgemäßem Schwarz oder "wenig", um in zwei Räumen eine gemütliche SM-Fete zu feiern. F- zeigte, wie so oft, seine unnachahmlichen Makrameekünste, während die Leute von der Libertine ein ausgesprochen zärtliches und langes Spiel inszenierten. Aus dem Speisesaal halten die "Schreie der Gemarterten" bis in die frühen Morgenstunden, so um 05:00 sollen die letzten den Gang ins Bett angetreten haben.
Dennoch war auch am nächsten Morgen beim Frühstück kaum ein Gesicht nicht zu sehen, und auch die letzten workshops und Arbeitstreffen waren gut besucht. Dem Mittagessen (natürlich wieder oberlecker :-) ) folgte eine Abschiedsrede von Dyke, bei der auch die Küchenmannschaft herausgerufen und mit einem ausgiebigen Applaus bedacht wurde. Die Mitfahrgelegenheiten waren schnell vermittelt und so machte ich mich nach einem Umarmungsmarathon mit meinen Mitfahrern so um 14:00 auf den Weg nach Hause.
Was mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird, ist die Ruhe und beinahe schon Professionalität, mit der die verschiedenen Leute und Gruppen zusammengearbeitet haben, auch wenn eine ganze Menge alter Animositäten versammelt waren. Viele von uns sind einfach mit offenem Herzen und dem gemeinsamen Ziel im Kopf aufeinander zugegangen. Es gab so gut wie keinen Streit, ausser den üblichen Paarzwisten, die sich jedoch in Grenzen hielten. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass "die Szene" erwachsen wird. Vielleicht hat auch die wunderbare Athmosphäre des Waldschlösschens und die wirklich ausgezeichnete Organisation dazu beigetragen, dass die Teilnehmer geradezu liebevoll miteinander umgingen.
Durch diesen Umstand waren auch die workshops fruchtbar und produktiv,soweit ich das beurteilen kann. Mit einiger Spannung bleibt auf das zu warten, was sich in den nächsten Monaten aus den vielen Projekten entwickeln wird, die hier auf den Weg gebracht wurden. Für die meisten von uns stand jedenfalls am Sonntag fest, dass wir beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei sein würden. Ich wäre auch bestimmt nicht böse, wenn dieselben Organisator(inn)en das ganze wieder in Hand nehmen und in das Waldschlösschen legen würden (hint, hint :-) ).