Berichte zu den BDSM Gruppentreffen

Bericht zur Sprecherkonferenz 1995

Autor: CB

Online: Bericht_Sprecherkonferenz_Laeufertsmuehle_1995.pdf

Sprecherkonferenz 22./23.04.1995
Läufertsmühle Neckargerach

Veranstaltung:
Sprecherkonferenz der bundesdeutschen (+österreichischen) nichtkommerziellen S/M-Gruppen
Veranstalter:
AK Vernetzung Mannheim
Ort/Datum:
Läufertsmühle Neckargerach vom 22.04. 13:00 Uhr bis 23.04. 15:00
Teilnehmer:
33 Gruppenvertreter
Thema:
Erfahrungsaustausch und überregionale Problemstellungen

Verlauf:

Man traf sich am Samstag zum Mittagessen. Ute (stellv. für den AK V.) begrüßte die Anwesenden. Nach dem Essen stellten sich alle Teilnehmer in der großen Runde vor. Das Programm (festgelegt vom AK V.?) wurde bekanntgegeben.

Es wurden vier Gruppen gebildet, die sich mit den Themen 'Anfangsfehler/-strategien in S/M-Gruppen' und 'Strategien für die längerfristige Gruppen"frisch"erhaltung' befaßten. Gruppenleiter waren: Ute (MA), Wulf (MA), Gerd (MA), Norbert (F).
Einige Aussagen/Kernprobleme aus meiner Gruppe:
"Was wollen wir?" - Richtungskämpfe (Bernd, Saarbrücken) -> Spaltungstendenzen
Erwartungsdruck an die Initiatoren - Ihr bringt`s uns jetzt. (Mannfred, Hannover)
Psychische Nebeneinkünfte - Profilierungssucht der Aktiven (Ute, MA)
Klare Analyse (Wolfgang, Wien): Was wollen wir? Was können wir mit unseren Mitteln machen?
Gruppenabend 'kennenlernfreundlich' gestalten (Wolfgang, Wien)
-> Dreiteilung des Kennenlernschemas:
-unverbindliche Kontaktmöglichkeit vorher in der Kneipe
-themenzentrierte geschlossene Gesprächsgruppe
-formloser Ausklang (Stammtisch)
(Anm. dieses Schema entspricht ungefähr dem der Kölner Gruppe und der Zeche Carl)
Alleinstehende Männer
Frauenquote -> Seriosität
Intervention der Gruppenleiter auch hinterher, falls eine Frau dumm angegraben wurde (Wolfgang, Wien)
Feten notwendig zum Abgleich Phantasie - Realität (Wolfgang, Wien)
Wo finde ich Helfer/ mitarbeitswillige/ -fähige Leute?


Nach dem Abendessen stand der Themenblock 'Medien / Öffentlichkeitsarbeit' auf dem Programm.
Es wurden zwei Gruppen gebildet (Gruppenleiter: Ute, Wulf) zu den Themen 'Realität: Was läuft aktuell in den Medien' und 'Utopie': Welche Darstellung würden wir uns in den Medien wünschen'.
In der 'Realitätsgruppe' habe ich folgende Eindrücke gewonnen:
Darstellung von S/M in Talkshows derzeit eher schlecht (Aussage mehrerer Teilnehmer)
Veränderung der Darstellung von S/M in der wissenschaftl. (medizinischen) Fachpresse (Alex, AK R.)
Regional in Hannover sei es vorbei mit der reißerischen Berichterstattung (Manfred, Hannover)
Fernsehen unbrauchbares Medium zur Vermittlung von S/M (Anita, Wien), weil zu schnell. In der kurzen Sendezeit ist ein komplexer S/M-Zusammenhang nicht ausreichend erklärbar.
Steuerung der Aussagen in den Medien durch eigene Texte (Anita, Wien / Tom, SMÖff)
Disput (Wulf - Hanno) defensive gegen offensive Strategie der Medienbeeinflussung
Hanno: "Die Medien machen, ob wir nun mitmachen oder nicht." Man kann sich auf die Medien einlassen, hat dann die Möglichkeit, seinen Farbtupfer dazu beizutragen, setzt sich aber auch der Gefahr aus, ab und zu verwurstet zu werden. Aufhalten kann man die Medienberichterstattung jedenfalls nicht.
Generell ist die permanente Präsenz des Themas S/M in den Medien eher zu begrüßen, wenn auch das 'wie und was' problematisch ist.


Vor dem Plenum referierte Henning (Berlin) über Grundlagen der DFÜ und Mailboxen.

Alle Interessierten trafen sich am späteren Abend zu einer Diskussion über 'S/M-Szene und
Datennetze'
unter der Eingangsfragestellung "Technologiefolgenabschätzung". Was verändern die Computer-Netze? Wie können wir die Entwicklung nutzen?
Sowohl grundsätzliche Betrachtungen wie konkrete Vorschläge zur "Computervernetzung" wurden gemacht. Das Medium Computer kann sowohl als Post, als auch als öffentliche Pinwand benutzt werden.
Ein konkreter Ansatz eines eigenen Szene-Netzes, in dem nur in den Gruppen bekannte Leute mit Point-Adresse Zugang hätten und viel Daten-Schrott aus den bekannten Netzen draußen bleiben könnte, kam aus Mannheim (Thomas, Ex-Xnet-Koordinator / Wulf, AK V.). Die derzeitige Realisierung wurde aber mangels positiver Resonanz wieder verworfen. Andere Möglichkeiten und Erfahrungen wurden diskutiert.
Shaky (Unlimited Club of Passion) berichtete über seine positiven Erfahrungen mit der Veröffentlichung der Gruppentermine im sm-info.x. Andere Stimmen befürchteten die Überschwemmung der Veranstaltungen, falls man Termine & Orte in Netzen bekanntgeben würde.
Henning (Berlin) berichtete von der unauthorisierten Veröffentlichung von "Quälgeist"-Terminen durch einen BTX-Anbieter. Anita (Wien) setzte dagegen, daß die Abhilfe gegen unauthorisierte Termiveröffentlichung die Eigenveröffentlichung sei. Hanno (SMÖff) meinte, man könnte die Veröffentlichung von S/M-Texten, -Daten, -Infos eh nicht stoppen. "Wenn eine Info raus ist, kannst Du sie nicht mehr zurückholen."


Am Sonntag morgen wurden verschiedene Themen im Plenum angesprochen:
Einigung der Gruppen über gegenseitige Absprache (weiterhin) bei Kontaktversuch seitens der Medien. Kontaktzentralen: AK Vernetzung und AG SMÖff.
Frage, ob andere Gruppen außer SMart und Schlagseite Mannheim ein Interesse an einer gemeinsamen Aktion gegen die Falschinformation in diversen 'Dominaführern' haben. -> nein
Wiederholt kontroverse Diskussion über Öffentlichkeitsarbeit v.a. zw. Mannheim und Neumünster.
Von vielen wurde eine konkrete 'Liste der bösen Buben' gefordert, d.h. konkreter Austausch, mit welchen Medienanstalten, Produzenten, etc. man schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. Hier waren v.a. die medienerfahrenen Gruppierungen angesprochen.
Es wurde zusammengefaßt, wer in der Szene auf welchen Gebieten spezialisiert ist.

Ergebnis:

rfahrungsaustausch und Kontaktpflege zwischen den Gruppen
Kontroverse Diskussion über Öffentlichkeitsarbeit
vorerst kein S/M-Gruppen-Computernetz
weiterhin gegenseitige Absprache bei Medienkontakten
kein gemeinsames Vorgehen der Gesamtszene gegen Falschinformation

Atmosphäre:

Ort: Die Läufertsmühle ist ein abgeschieden im Wald gelegenes, ökologisch geführtes Tagungshaus. Meiner Meinung nach ideal für solche Veranstaltungen.

Zeitrahmen: Die knapp zwei Tage boten Raum für viele zusätzliche informelle Gespräche, die zum gegenseitigen Austausch und Kennenlernen unbedingt notwendig sind.

Programm: Sowohl im Ablauf als in den Fragestellungen sehr Mannheim-lastig

Stimmung: sehr gut

Kontakt:

AK S/M & Vernetzung
Christoph B.



Veröffentlichung auf www.bdsm-kongress.de mit freundlicher Genehmigung des Autors